Zeichnung von E. Heuchler
  

Zur Geologie und Mineralführung  

Hohenstein-Ernstthal liegt am südwestlichen Rand einer großen Faltenstruktur des varistischen Gebirges, des Granulitgebirges. 

Die Stadt liegt genau auf der Grenze zwischen dem Schiefermantel des hochmetamorphen Granulits und den Sedimenten des Erzgebirgischen Beckens, das ab dem Oberkarbon mit der Molasse des Varistischen Gebirges aufgefüllt wurde.

Hier treten im Muskovit- Glimmerschiefer mehrere Erzgänge der kiesig- blendigen Bleierzformation auf. 

  

Diese Grafik zeigt schematisch die Lage der wichtigsten Erzgänge, so wie sie nach Grubenakten am Ende des 19.Jahrhunderts noch aufgeschlossen waren. 

 


  
  Es handelt sich um Scharen  stehender Gänge (also mit einer Streichrichtung um NNE-SSW) mit steilem Einfallen (meist um 75° nach Osten). Parallel zu den beiden wichtigsten Erzgängen "St. Lampertus- Sthd." und "Wille-Gottes- Sthd." streichen im Westen "St. Anna- Sthd.", "Heinrich- Sthd." und "Römerzug" und im Osten der "Fürstenglück- Stehende"

Daneben wurden weitere Erzgänge im Stadtgebiet und Eisenerze am Oberwald ("Karl-May-Höhle") abgebaut. Zu verweisen ist auch auf die Nickelerzlagerstätte Callenberg, aus der zwischen 1961 und 1990 etwa 9,15 Millionen Tonnen Nickel- und Eisenerz gefördert wurden.

  


Eine Stufe Arsenopyrit
    
Das Haupterzmineral der Erzgänge am Zechenberg war Arsenkies (Arsenopyrit, FeAsS), der zusammen mit seinen Begleitmineralen auch gewinnungswürdige Gehalte an Silber und Gold aufwies. Daneben kamen Kupferkies (Chalkopyrit, CuFeS2), Arsen- Fahlerz (Tennantit, Cu12As4S13) und Antimon- Fahlerz (Tetraedrit, Cu12Sb4S13), Schwefelkies (Pyrit, FeS2) und Leberkies (Markasit, FeS2), untergeordnet auch Zinkblende (Spahlerit, ZnS), Bleiglanz (Galenit, PbS), sowie Rädelerz (Bournonit, CuPbSbS3) vor.  Als Gangarten werden hauptsächlich Quarz (SiO2) und Braunspat (das Doppelkarbonat Ankerit, CaFe(CO3)2) neben Letten und zersetztem Glimmerschiefer genannt.

  

  

Zur Geschichte der Grube und des Bergbaus in Hohenstein-Ernstthal

Die Region gehörte ursprünglich zum pleißenländischen Reichsterritorium und war an das Haus Schönburg-Glauchau-Waldenburg (Fürstliche Linie) verliehen. Bis zum sogenannten "Hauptrezeß" 1740 stand Hohenstein-Ernstthal unter Schönburgischer Hoheit und besaß noch bis 1767 ein eigenes Bergamt.

Aus diesem Grund haben wir auch die Wappenfarben der Schönburger für die Gestaltung dieser Seite gewählt.  

Nachdem bereits 1168 in Freiberg erstmals Silbererz gefunden wurde, begannen spätestens zwischen 1400 und 1450 auch am Pfaffenberg erste Bergbauversuche. Möglicherweise beginnt die Bergbaugeschichte aber auch schon Anfang des 14. Jahrhunderts: Nach dem Oberlungwitzer Ortschronisten Gumbrecht wurde bereits 1320 "...an dem von Oberlungwitz nördlich gelegenen Gebirgskamme der Anfang zu dem später so ergiebigen Bergbau gemacht."

Das Gebiet "um den Hohen Stein" wurde 1411 erstmals in einer Urkunde über Jagdgerechtsame der Herrschaft Schönburg erwähnt. Bei dem Chronisten Marburger schließlich kann man lesen, daß nach alten Nachrichten: 

"Bergleute aus Schlackenwerda in Böhmen gekommen seien, die den großen Bau aufgenommen hätten, der unter der Stadt Hohenstein liegt und der vor der Erbauung der Stadt getrieben wurde und daß sie in Wüstenbrand gewohnt hätten. Aber niemand weiß, wie der Bau geheißen, der wahrscheinlich 1430 im Hussitenkrieg liegengeblieben ist." 

  

Um das Jahr 1500 beginnt jedenfalls der Bergbau am Zechenberg. Aufgrund des Erfolgs entstand gleichzeitig die Bergmannssiedlung Hohenstein. Der Ort wuchs Dank des Bergbaus so schnell, daß er bereits 1510 von der damaligen Regentin Gräfin Anna von Schönburg die Rechte einer Bergstadt erhielt.

Schlägel und Eisen als Bergmannsymbol waren schon im alten Hohensteiner Stadtwappen enthalten. 

Marburger schreibt dazu: "Ob es nun zum Anfange gleich schlechte Hütten warn, so hat sich durch den Segen des Bergbaus der Ort geschwinde auf geholfen, daß es 1517 ein Städgen können genannt werden, weil 1520 schon Gerichtssachen auf dem Rath Hause abgethan worden." 

 

Für die Jahre 1570 bis 1590 ist eine Förderung der Hohensteiner Gruben an Gold, Silber, Kupfer und Arsenverbindungen im Wert von 35.840 Gulden belegt. Die wichtigsten Gruben waren bereits in dieser Zeit die St. Lampertus-,  St. Anna- und die  Wille-Gottes- Fundgrube  am Zechenberg. 


Der älteste erhaltene Kuxschein aus dem Jahr 1716

 

  Während des dreißigjährigen Krieges und bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts kommt es immer wieder zu Unterbrechungen des Bergbaus. Deshalb wird im Jahr 1610 das schönburgische Bergamt aufgelöst und das Revier dem - ebenfalls schönburgischen - Bergamt Scheibenberg zugeschlagen. 

Als in Hohenstein eine Pestseuche ausbricht, wird schließlich 1680 Ernstthal gegründet. 

In diese Zeit fällt aber auch noch eine wichtige Entdeckung: Im Tiefen St. Lampertus- Erbstolln wird um 1720 die erste Steinkohle im Erzgebirgischen Becken gefunden ! 

 

  Erst im Jahre 1767 verlor die Herrschaft von Glauchau- Schönburg das Bergrecht an das Wettinische Fürstenhaus. Zusammen mit dem Bergrevier Hohenstein kamen zu dieser Zeit auch die früheren schönburgischen Bergämter Oberwiesenthal, Elterlein und Scheibenberg an das kursächsische Bergamt Marienberg. 

 

1763 nimmt eine neue Gewerkschaft die Wille-Gottes-Fundgrube wieder auf. 
1781 wird auch der St. Lampertus wieder aufgenommen. Damit beginnt wieder ein kontinuierlicher Bergbau.  

 


Dieser Kuxschein stammt aus dem Jahr 1791.

  

  1785 wird der Kunstgraben erneuert, der Antriebswasser aus dem Nachbarort Wüstenbrand  heranleitete. 
Auf der Stollnsohle am Lampertusschacht wurde ein neues, über elf Meter hohes Kunstrad zum Antrieb der Wasserpumpen eingebaut.  

1846 wurde auch das bis heute erhalten gebliebene Huthaus erbaut. 

  

 
Schematische Darstellung der Aufschlagwasserversorgung im 18. Jahrhundert. Das Wasser wurde in Teichen bei Wüstenbrand gesammelt und über einen - leider nicht erhalten gebliebenen - Kunstgraben oberhalb der Dresdner Straße herangeleitet.

  


Foto der Schachtanlage um 1910, Bildquelle: Archiv von Stefan Köhler

 

1873 wechselt erneut die Gewerkschaft. Der neue St.Lampertus- Richtschacht  wird 125 m tief senkrecht geteuft und ein neues Treibe- und Maschinenhaus errichtet. 1876 wird darin eine 12 PS starke Dampfmaschine zum Antrieb gußeiserner Pumpensätze und ab 1880 auch zum Antrieb der Fördermaschinen aufgestellt.

In den Jahren 1891 bis 1900 förderten jeweils 8-12 Bergleute:

336

,900

t   

       Erz.  

Daraus wurden:

104 ,200 t   Arsenoxid 

3

,040 t   Kupfer 
  16 ,88 kg  Silber 
  6 ,72 kg  Gold 

gewonnen. Obwohl der Goldgehalt also gerade einmal ganze 0,007 % betrug, war das kleine Revier am Zechenberg das bedeutendste Goldvorkommen Sachsens !

   

 
Schematische Darstellung des Bergwerks Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Schachtgebäude auf dem St. Lampertus Richtschacht.

  


  
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts währte die letzte Blütezeit des Bergbaus in Hohenstein.  

Aber mit dem Übergang zur Reichsmark und Gold als Währungs- und Münzmetall mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurden auch die letzten silbererzfördernden Gruben im Erzgebirge plötzlich unrentabel.

1910 trifft es das Revier am Zechenberg, 1913 selbst die alte Bergstadt Freiberg. Bis auf das Huthaus werden die Gebäude von "Lampertus samt Zubehör" abgebrochen und 1913 auch die Dampfesse durch eine Chemnitzer Pionierabteilung gesprengt.


 
Die letzte Schicht 1910, Bildquelle: Archiv von Stefan Köhler.

Das Bergmannsdenkmal wurde 1913 aufgestellt.
  
1923 bis 1924 versuchte das letzte Mal eine "Hohenstein- Ernstthaler Erzbergwerke Aktiengesellschaft" den Abbau aufzunehmen. Diese Gesellschaft verkaufte wohl einige Aktien, ob der Abbau aber tatsächlich wieder aufgenommen wurde, geht aus den Akten nicht hervor...

Niemand kümmerte sich mehr um die verfallenden Stollen und Schächte, bis sie durch Tagesbrüche wieder auf sich  aufmerksam machten... 

 

  Zur Abwendung der Tagesbruchgefahr wurden 1996 im Auftrag des Sächsischen Oberbergamtes Freiberg durch die Bergbau und Tiefbau GmbH Oelsnitz Verwahrungsmaßnahmen in den Gruben begonnen. 

Dabei erwies sich besonders der Wasserzulauf aus dem Grubenfeld als Problem, da der verbrochene Lampertus- Stollen das Grubenwasser nicht mehr ableiten konnte. 1995 erfolgte im Auftrag der Stadtverwaltung eine Wassermengen- Messung über einen Zeitraum von sieben Monaten. Im Schnitt flossen der Grube damals täglich 550 Kubikmeter Wasser zu, nach heftigem Regen bis zu 1.600 Kubikmeter !  

Daher wurde bis 1997 auch der Lampertusstollen zwischen dem Lichtloch Nr. 7 und dem Mundloch wieder aufgefahren und und mit einer Rohrleitung versehen. Über den 1998 mit neuem Ausbau versehenen Lampertus- Richtschacht als letztem erhaltenem Zugang zum Grubenfeld erfolgen seitdem im Auftrag der Stadtverwaltung die erforderlichen Wasserstandsmessungen und Kontrollbefahrungen durch unseren Verein.

  


Der Zustand des Huthauses 1994
, Bildquelle: Archiv von Stefan Köhler.
 
Das Huthaus des Lampertus-Schachtes wurde 1846 erbaut. Zu dieser Zeit waren wahrscheinlich eine Steigerstube und die Gezähekammer im Huthaus untergebracht. Nachdem 1896 an das 1873/74 errichtete neue Kesselhaus eine Gezähekammer und eine Bergschmiede angebaut wurde, wurde das Huthaus nur noch als Wohnhaus genutzt. Bis 1994 war es noch bewohnt. 

Das danach leerstehende Gebäude drohte zu verfallen. Nach der Neugründung des Freundeskreises gelang es 1996, einen Pachtvertrag mit der Wohnungsgesellschaft Hohenstein-Ernstthal zu schließen. Nach fast zwei Jahren konnte der Verein am 15. Mai 1998 das sanierte Huthaus als Vereinsheim einweihen und seitdem wieder nutzen. Heute befinden sich darin zwei Ausstellungsräume, ein Vortragsraum und zwei Vereinszimmer, sowie ein Magazin für die zu den Kontroll- Befahrungen benötigten Materialien. 

Der Verein möchte an dieser Stelle all denen danken, die durch Arbeitsleistungen, Geld- oder Sachspenden zum Erhalt des Huthauses beigetragen haben und heute zur Unterhaltung des Huthauses beitragen !

  

       

   
Aktuelles

Öffnungszeiten des Bergwerks und Veranstaltungstermine des Freundeskreises

   

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Das Besucherbergwerk St. Lampertus Fundgrube samt Zubehör

Die St. Lampertus Fundgrube in der sächsischen Bergstadt Hohenstein-Ernstthal wurde nach der Sanierung des Tiefen St. Lampertus Erbstolln 1996 durch den Freundeskreis nach und nach für interessierte Gäste zugänglich gemacht und konnte 2008 offiziell als Besucherbergwerk eröffnet werden.

   

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Der Freundeskreis Geologie & Bergbau Hohenstein-Ernstthal e.V. 

Der Freundeskreis Geologie und Bergbau widmet sich seit 1952 der Erforschung und Bewahrung der Montangeschichte unserer Region.

   

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  Impressum

Diese Internetpräsentation wird betrieben durch den Freundeskreis Geologie und Bergbau e. V. Hohenstein-Ernstthal, eingetragen beim Amtsgericht Chemnitz im Vereinsregister unter Nr. VR 50730, vertreten durch den amtierenden Vorsitzenden des Vereins:

Herrn Th. Posern, Oststraße 25, 09337 Hohenstein - Ernstthal, Telefon: 03723 - 700200. 

Vereinssitz und Postanschrift ist:

Huthaus des ehemaligen St. Lampertus- Schachtes,
Dresdner Straße 109,
09337  Hohenstein - Ernstthal

Für den Kontakt steht Ihnen außerdem die Emailadresse zur Verfügung: info@lampertus.de 

Gestaltung und technischer Betrieb: H.-J. Boeck, Freiberg, Emailadresse: boeck@unbekannter-bergbau.de.

   

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